Patrick Waterhouse: Colors

Ein »Wandler zwischen den Welten« des Grafikdesigns ist Patrick Waterhouse, dessen Zeichnungen, Drucke, Fotografien und Kunstbücher – wie die kürzlich gemeinsam mit Fabrica veröffentlichte Ausgabe von Dantes »Inferno« - von seiner großen Bandbreite zeugen. Als Chefredakteur von COLORS, einem monothematischen Magazin mit sechs zweisprachigen Ausgaben, schlägt er neue inhaltliche Wege ein: Verbindende Erzählstrukturen in Serie, veröffentlicht als COLORS Survival Guides.

Rückblende, zwei Projekte: Vier Jahre, tausende von Bildern – das »von innen nach außen« gekehrte Porträt eines Regierungsgebäudes in Südafrika. Jedes Fenster bildet einen anderen Ausschnitt der Umgebung des Gebäudes ab. Und als Meilenstein: Dante's Inferno. Sehenswerte Projekte, die vor dem eigentlichen Start von COLORS die Handschrift des Designers erkennen lassen.

Das Magazin COLORS selbst setzt auf unterschiedlichste Erzählformen: In den einzelnen, monothematischen Ausgaben widmet sich die Zeitschrift konsequent zeitkritischen, gesellschaftspolitisch relevanten  Aspekten wie z.B. »Race«, das in Illustrationen und Fotomontagen Rassismus und dessen Denkweisen kritisiert und Utopien entwirft. Ähnlich visionär sind die COLORS Survival Guides: Dem Grundgedanken folgend, dass 90% unserer Mobilität von Erdöl abhängen, erzählt das Magazin von existierenden Problemen, mithilfe starker Bilder und überraschenden Momenten, mit Infografiken und entwirft aus dem Puzzle ungewöhnlicher Erzählperspektiven und schwieriger Themen mögliche Zukunftsvisionen.

Eine davon ist »How to build a toilet.« Patrick Waterhouse kommentiert das augenzwinkernd »From Shit to Happiness« - und spannt einen weiten Bogen: Ein Bericht vom Ausbruch der Cholera nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti, den COLORS mit einer Bilderserie über die verschmutzten Matratzen einer Klinik illustriert.  Eine Reportage über das Erdbeben in Christchurch – mit einem eher ungewöhnlichen Blickwinkel: Den der Zweckentfremdung von Alltagsgegenständen wie Gartenstühlen aus Plastik, aus denen Bewohner von Christchurch behelfsmäßige Toiletten bauten. Infografiken zu Übertragungs- und Infektionswegen von Cholera und anderen Krankheiten, die durch Fäkalkeime verursacht werden, ergänzen die einzelnen, ungewöhnlich aufbereiteten Themen. Der komplette COLORS Survival Guide war übrigens der simplen statistischen Erkenntnis gewidmet, dass ein Großteil der Erdbevölkerung ohne funktionierende Toiletten leben muss – mit fatalen Auswirkungen auf Gesundheit und Gesellschaft.

»Looking at Art«, eine andere Ausgabe, bietet Porträts von Künstlern, erzählt Geschichten hinter der Kunst, beispielsweise über denjenigen Fischer, der für Damien Hirst einen Haifisch fing. Und lässt unterschiedlichste Menschen zu Wort kommen – überraschendste Antwort auf die Frage »Was ist Kunst?«: Unter einem bunten Turban, hinter einer Sonnenbrille, grummelt eine männliche Stimme »Art is business, sex and fashion.« Mit den sehr persönlichen Video-Sequenzen leitet Patrick Waterhouse zu einer weiteren, beeindruckenden Ausgabe von COLORS über. Schwarzweiße Bilder zur Illustration von statistischen Aussagen verdichten sich zu einer dichten Erzählung, zu gekonntem Storytelling über die Hintergründe und Auslöser des Arab Spring. Montagen des Tahrir Square, Luftaufnahmen belebter Straßen und Plätze  zeigen in Vorher-Nachher-Perspektive zugleich gesellschaftliche Veränderungen. Ein grandioser Essay aus unterschiedlichen Kapiteln, zu einem Magazin zusammengefasst.  »Das Magazin ist das Zentrum, der Kern« sagt Waterhouse. Alles um diesen Kern herum verdient ebensolchen Respekt, ob in Erzählung oder Gestaltung – und als Printausgabe belohnt COLORS auch den Leser: Mit starken Geschichten und einem unverwechselbaren haptischen Erlebnis.

Patrick Waterhouse im Netz: www.patrickwaterhouse.com