»That new design smell«

Netzkultur, Soziale Netzwerke und ihre veränderten Rahmenbedingungen haben nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Welt der Magazine und des Editorial Designs in den letzten Jahren in rasanter Geschwindigkeit verändert. Design und Konzeption sind geprägt von diesem Tempo; Schwerpunkt der gestalterischen Arbeit von Michèle Champagne, Designerin und Autorin aus Kanada, ist die Eigendynamik verschiedener Open Source Projekte. Beispiele wie das Magazin »That New Design Smell«, das im Dialog stark auf Crowdsourcing setzt, das Magazin »New City Myths«, »Garbage without Borders« oder das soziale Netzwerk Mediamatic Travel, das von einer Open Source Plattform aus funktioniert, sind markante Punkte ihrer Tätigkeit.

Zu einfach wäre es für Michèle Champagne, Open Source als schnelle, erfolgversprechende Art des Gestaltens zu begreifen. Lieber widmet sie sich den unterschiedlichen Ebenen zwischen Code, Philosophie und Veränderung im Denken, die Open Source für sie beinhaltet: Dialog und Diskurs mit genau denjenigen Gruppen und -personen, die zugleich Zielgruppe des Endprodukts und seiner Gestaltung sind. Leser und Nutzer als Mitgestalter nicht nur von Inhalten, sondern auch deren Gestaltung und Übersetzung in Design – mit Hilfe der unterschiedlichen Kommunikationsformen des Netzes von Twitter über Blog und Chat – machen Editorial Design dadurch quasi zu einer Echtzeiterfahrung, die den Rahmen des klassischen Designs aufbricht.

Im Kontext der Geschichten und ihrer Gestaltung finden sich Elemente der Crowd wieder. »Copy Culture« im Netz, weiter entwickelt zu gedruckten Ausgaben reflektieren diese lebendige Form des Designs und führen mitunter zu überraschenden Ergebnissen. Der Weg ist dabei genau genommen das Ziel, die emotionalen Reaktionen und Antworten von Nutzern, die beispielsweise in Mails zum Ausdruck kommen, verändern die traditionelle, gewohnte Magazingestaltung. Mails, Kommentare und crowdgesourcte Meinungen bringen in gewohnte formale Gestaltungsmuster von Spalten und Textblöcken eine andere, willkommene Form von Bewegung. In einer ehemals behäbigen, für den Leser gewohnten Umgebung provozieren sie zur Auseinandersetzung mit politischen Ebenen von Gestaltung, den Veränderungen innerhalb einer Gesellschaft und ihrer Offenheit und Sichtweisen.  Schnelligkeit, Individualität und Vielfältigkeit des Netzes, abgebildet im Publishing auf Websites und Printausgaben – eine spannend neue Form von Gestaltung, die aus geschlossenen Prozessen ausbricht, sich der Crowd und damit den Nutzern buchstäblich öffnet und sie aktiv einbezieht.

Michèle Champagne im Netz: http://michelechampagne.com