Mike Koedinger – Erotic Magazines II/Talk

Erotik ist Kopfsache, erotische Komplikationen sind Fantasien in Print, stimulieren alle Sinne: Ist nicht-visuelles erotisches Material eine Inspiration? Mike Koedingers Frage in die Runde der Macher erotischer Magazine bringt verblüffende Antworten hervor: Frank Rocholl setzt auf Nähe statt verkopfter Texte, auf Interviews mit Menschen, die »einfach näher dran sind«. Spannend auch, mit Dingen zu arbeiten, die nicht sichtbar sind, vorwiegend im Kopf stattfinden. Einerseits der Fantasie zuliebe, andererseits aber auch Vermittlung praktischen Wissens und persönlicher Erfahrungen, die nicht ohne weiteres öffentlich diskutiert oder geteilt werden.

Erotik als Lifestyle einerseits, als Welt aus Luxus, Schmuck und Wohlstand: das öffentliches Bild von Erotik, ob in Magazinen oder auf Websites, unterscheidet sich deutlich von den Ideen der einzelnen Projekte und ihrer Macher. Sie betrachten aus persönlichen Blickwinkeln, nähern sich auf sehr individuelle Art sensiblen Themen. »Porno« als Buzzword, Grenzen zwischen Realität und Fiktion: Der schwindenden Konturenschärfe von Begrifflichkeiten und Definitionen setzen die Designer eigene Modelle entgegen; setzen auf Fantasie, auf Vorstellungskraft, Klasse statt »nur Sex«, das wäre zu langweilig. »Manche Bilder packen einen einfach, andere sind komplett langweilig«, stellt Frank Rocholl fest. Für ihn ist Authentizität, Echtheit wichtig, ohne die Faszination, Stimulation von Fantasie nicht möglich ist – und was die professionelle Maschinerie des Erotik-Business von dem trennt, was Gemeinsamkeit aller vorgestellten Erotik-Magazine sind: Sie sind unabhängig, was die Gestaltung ihrer Inhalte angeht, sind keinen Zwängen der Vermarktung unterworfen, einzig ihrer Haltung verpflichtet.

Harry Peccinotti macht immer noch die gleiche Sorte von Bildern wie damals, sagt er. Und erklärt die Idee von Fiktion und Realität: Fiktion kann zu Realität werden. So wie ein Bild geöffneter Lippen einerseits Fiktion ist, zugleich aber real. Wichtig sind ihm statt Distanz und distanzierter Betrachtung persönliche Beobachtungen und Assoziationen, als einzig wahrhaftig, real und wirklich. In dieser Aufrichtigkeit und Unmittelbarkeit liegt – im Gegensatz zur Stilisierung und Standardisierung durch die Plastikkultur einer industrialisierte Sexualität – genau die sorgsam ausbalancierte Verführungskraft für Gedanken und Fantasien, die Sex erst zu Erotik macht.

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